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Jedermann
von Hugo von Hofmannsthal
Eine Inszenierung von Schauspiel-Ensemble Köln
Aufführung am 21.03.1965 in der Pfarrkirche zu Straelen
In Klammern () der Einlass
Bildershow

Das bekannte Theaterstück "Jedermann" wurde vom Schauspiel-Ensemble Köln in der Pfarrkirche zu Straelen aufgeführt. Einige KLT-Mitglieder wurden für das Stück "ausgeliehen".
Und ewig rauschen die Gelder
23. 03. 1965

Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes

Schauspiel-Ensemble Köln mit „Jedermann" in der Pfarrkirche Straelen

STRAELEN. Das Schauspiel-Ensemble Köln spielte in der Pfarrkirche von Straelen Hugo von Hofmannsthals berühmtes Mysterienspiel „Jedermann" in der Inszenierung von Dieter Gerlach. Die Kirche konnte die Besucher kaum fassen, selbst in den Seitenschiffen drängten sich die Zuschauer. Der „Jedermann" ist als unveränderlicher Bestandteil der Salzburger Festspiele in der ganzen Welt berühmt geworden. Er scheint untrennbar mit der wunderbaren Kulisse des Salzburger Domes, mit den Namen berühmter Schauspieler, mit einem großen Aufwand an Statisten, Requisiten, farbenprächtigen Kostümen verbunden. Und ewig rauschen die GelderDass „Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes" auch losgelöst aus dieser Umgebung eine tiefe Wirkung ausübt, bewies die Aufführung in Straelen. Man muss dem mutigen Dechanten Mehring danken, dass er die Schauspieler in seine Kirche holte — trotz skeptischer Stimmen, die Theater und Gotteshaus als unvereinbar ansahen. Der Dechant hatte seine Gemeinde mit mehreren Hinweisen und einer kurzen Einführung nach der Sonntagspredigt auf das Spiel vorbereitet. Er packte auch mit an, als die Schauspieltruppe am Sonntagnachmittag in Straelen eintraf, schleppte Stühle und half beim Aufstellen der einzigen Kulisse, der schwarzen Wand vor dem Hochaltar. Sechs Laienspieler aus Straelen, davon einige Mitglieder des Liebhabertheaters, verstärkten das Ensemble. Die Straelener Bevölkerung wartete gespannt auf das Ereignis. Zum ersten Mal verwandelte sich die Kirche in Bühne und Zuschauerraum. Am Abend waren über 400 Karten verkauft. Hofmannsthal hat mit seinem „Jedermann" den Versuch unternommen, das mittelalterliche Mysterienspiel zu erneuern. „Jedermann" ist der Reiche, Sorglose, der nur an das Heute denkt und mitten in einem üppigen Gastmahl vom Tod zur Verantwortung vor den höchsten Richter gerufen wird. Freunde, Verwandte, Reichtum verlassen ihn, nur Glaube und Werke helfen Jedermann, der endlich bereut. Hier ist noch der Glaube des Mittelalters an Gottes Barmherzigkeit lebendig, die den demütigen Sünder aus den Klauen des Teufels reißt. Das Schauspiel-Ensemble Köln verzichtete auf eine Nachahmung der berühmten Salzburger Aufführung, zu der weder die technischen noch künstlerischen Mittel gereicht hätten. Das geschlossene Spiel auf dem kleinen Raum vor dem Hochaltar, die verhältnismäßig geringe Zahl der Mitwirkenden, das Hineinnehmen des dunklen Kirchenschiffes in die Handlung, etwa beim Einzug der Gäste oder beim Erscheinen des Teufels, brachte einen sehr „privaten"; unmittelbar anrührenden Jedermann zur Geltung und förderte den Kontakt zum Publikum. Der herbe, holzschnitthafte Charakter des Spiels, die Feierlichkeit und Würde der Symbolik wäre durch eine Beschränkung auf das Notwendigste an Bewegung, Mimik und Stimmführung noch besser zum Ausdruck gekommen. Die mangelhafte Akustik der Kirche wurde durch das leider nicht ganz präzise, etwas hastige Sprechen der Herren der Truppe noch fühlbarer. Das zu Beginn des Abends etwas zu temperamentvolle „Theaterspielen" wandelte sich in den letzten Szenen zu stiller, überzeugender Darstellung. Unterstützt von der sehr geschickten Lichtregie, die eine kaum vermutbare Wandlungsfähigkeit des Raumes erreichte, wuchs das Spiel zu beklemmender Eindringlichkeit. Der Abend überzeugte auch skeptische Zuschauer von den vielfältigen Möglichkeiten, die dieses gelungene Experiment eröffnet. Wie Dechant Mehring erklärte, soll die Kirche auch weiterhin dem Mysterienspiel offen stehen.

Mitwirkende
Rolle/Funktion Darsteller